US-Präsident Donald Trump hat die Ablösung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert und damit eine scharfe Reaktion in Kiew ausgelöst. Trump erklärte am Wochenende, Selenskyj habe mehrfach die Gelegenheit gehabt, den Krieg zu beenden, und sich dagegen entschieden. «Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt», sagte Trump und fügte hinzu: «Ich denke, er sollte Wahlen abhalten.» Die Ukrainer sollten einen neuen Anführer suchen, der eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges schließen könne.

Auslöser der Auseinandersetzung war ein am Samstag nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin verkündeter Diesel-Deal zwischen den USA und Russland. Hunderttausende Tonnen Diesel sollen in den kommenden Monaten aus Russland in die Vereinigten Staaten geliefert werden. Selenskyj kritisierte die Vereinbarung scharf: «Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg, den man beenden und nicht verlängern muss», schrieb er auf Telegram. Trump konterte umgehend und behauptete, Selenskyj habe mit Angriffen auf den russischen Energiesektor zur weltweiten Dieselknappheit beigetragen. Er rief ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen.

Die ukrainische Regierung wies die Forderung nach einem Präsidentenwechsel entschieden zurück. Außenminister Andrij Sybiha erklärte am Abend auf der Plattform X, Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes, und dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. «Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung», so Sybiha. Ein Wechsel an der Staatsspitze ist derzeit auch verfassungsrechtlich nicht möglich, da Wahlen zu Kriegszeiten ausgeschlossen sind.

Unterdessen setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine unvermindert fort. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, meldete auf Telegram, bei einem Angriff auf die Hauptstadt am Abend seien mindestens acht Menschen verletzt worden, darunter eine 15-Jährige. Die Nachrichten aus Washington lösten in Kiew Schock aus. Ein enger Berater Selenskyjs sagte dem «Bild»-Reporter Paul Ronzheimer, man habe mit einer erneuten Fokussierung der Ukraine im US-Wahlkampf gerechnet, aber nicht mit einer solchen Eskalation. Die größte Sorge sei, dass Trump tatsächlich die Geheimdienstkooperation mit der Ukraine beende.

Trump hatte seine Forderung damit begründet, dass Russland Bereitschaft zeige, den Krieg zu beenden, während Selenskyj dies aus welchen Gründen auch immer nicht wolle. «Präsident Putin will dringend ein Abkommen haben», sagte Trump. Er behauptete zudem, Selenskyj hätte bereits vor zwei Jahren eine Vereinbarung treffen sollen, dann «wäre er deutlich besser dagestanden». Tatsächlich war der Krieg nicht von der Ukraine, sondern von Russland begonnen worden, das vor mehr als viereinhalb Jahren in das Nachbarland einmarschierte. Kremlchef Putin hat wiederholt Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt, auch spätere diplomatische Initiativen blieben ohne Ergebnis.

In Europa stieß Trumps Vorstoß auf scharfe Kritik. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), schrieb auf X, wenn Trump Selenskyj zum Rücktritt auffordere, stelle er sich «unmissverständlich auf die Seite des Mörders». Sie betonte: «Über die Führung der Ukraine entscheiden alleine die Ukrainerinnen und Ukrainer in freien Wahlen, nicht das Weiße Haus und schon gar nicht der Kreml.»

Das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj war bereits im Februar 2025 schwer belastet, als Trump dem ukrainischen Präsidenten im Oval Office mangelnden Respekt und fehlende Dankbarkeit vorwarf. Später näherten sich beide Seiten wieder an, und es wurde ein umstrittenes Rohstoffabkommen unterzeichnet. Angesichts gestiegener Spritpreise und der bevorstehenden US-Zwischenwahlen im November steht Trump innenpolitisch unter Druck. Beobachter sehen in dem Diesel-Deal und der scharfen Rhetorik gegenüber Kiew den Versuch, wirtschaftliche Entlastung zu signalisieren und außenpolitisch Stärke zu zeigen.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.