Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich für ein baldiges trilaterales Treffen mit den Vereinigten Staaten und Russland ausgesprochen. Die amerikanische Seite schlage vor, ein solches Gespräch «so bald wie möglich» zu organisieren, sagte Selenskyj am Mittwoch vor Journalisten in Kiew. «Wir sind dafür», fügte er hinzu. Zuvor hatte er nach eigenen Angaben erfahren, dass Russland einem Dreiertreffen der Teams positiv gegenüberstehe.

Die Äußerungen fallen in eine Phase intensiver Pendeldiplomatie. Der US-Unterhändler Steve Witkoff überbrachte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Mittwoch in Sankt Petersburg nach eigenen Angaben neue Vorschläge zur Beendigung des Krieges. Welche Inhalte die Vorschläge haben, ist bislang nicht bekannt. Auch der Kreml machte keine Details öffentlich. Der Putin-Berater Juri Uschakow sagte lediglich, Witkoff habe berichtet, dass es «einige neue Ansätze bei den Europäern und bei Kiew» gebe. Der russischen Regierung seien Dokumente übergeben worden. «Aber uns stellen diese Nuancen, um es so zu sagen, nicht völlig zufrieden», so Uschakow. Auf die Frage nach einem möglichen Kriegsende antwortete er: «Ich weiß nicht, wie weit wir dem näherkommen, aber es läuft darauf zu.»

Selenskyj zeigte sich unterdessen zu Kompromissen bereit. In einem Gespräch mit dem US-Sender Fox News sagte er, die derzeitigen Frontlinien müssten eingefroren werden. «Ja, wir müssen jetzt die Frontlinien einfrieren», so der Präsident. «Ich denke, das ist ein echter Weg, diesen Krieg zu beenden.» Dabei nimmt er offenbar in Kauf, dass die Ukraine bei einem Friedensabkommen einen Teil ihres Gebiets verlieren könnte. Auf die Frage, ob er ein Abkommen akzeptieren würde, das den Status quo berücksichtige und der Ukraine 75 Prozent oder mehr ihres Landes belasse, antwortete er zustimmend. Zugleich schränkte er ein, das Einfrieren der Frontlinien und eine Waffenruhe seien das «absolute Minimum», was die Ukraine heute von Russland fordern könne.

Die Position ist allerdings nicht neu. Die Ukraine hat mehrfach ein Einstellen der Kämpfe entlang des aktuellen Frontverlaufs vorgeschlagen. Russland lehnt dies bislang mit der Begründung ab, man gebe der Ukraine damit nur eine Atempause zur Wiederaufrüstung. Unverändert fordert Putin den vollständigen Rückzug oder Verzicht der Ukraine auf die annektierten Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, eine offizielle Absage an einen Nato-Beitritt sowie eine dauerhafte Pufferzone. Zudem behauptet der Kremlchef offiziell weiterhin, seine Truppen rückten ständig vor. Tatsächlich hat die ukrainische Armee den russischen Vormarsch in diesem Sommer gestoppt und an einigen Abschnitten sogar zurückgedrängt.

Zusätzlich zu den Gesprächsbemühungen fordert Selenskyj von US-Präsident Donald Trump und den europäischen Verbündeten Sicherheitsgarantien. Es dürfte sich dabei um ein Schutzversprechen handeln, mit dem der Ukraine bei weiteren Angriffen militärischer Beistand zugesagt wird. Bereits im Februar hatte es in Genf und später in Abu Dhabi Dreiergespräche gegeben, ohne dass daraus Friedensverhandlungen entstanden. Ob die neuen Bemühungen erfolgreicher verlaufen, ist offen. Die russische Führung äußerte sich bislang zurückhaltend. Uschakow zufolge laufen die Gespräche zwar in Richtung einer Lösung, doch konkrete Ergebnisse wurden nicht genannt.

Die Ukraine steht derzeit nicht nur durch russische Raketenangriffe auf Städte und die Energieinfrastruktur unter Druck. US-Präsident Trump wirft Selenskyj vor, keinen Frieden zu wollen, ohne dies zu belegen. Gleichzeitig haben sich die USA Russland in den vergangenen Wochen angenähert. So kauft Trump von Putin jetzt Diesel, und es gab Einschränkungen beim Satellitennetzwerk Starlink für die Ukraine. Die EU verlangt von SpaceX indes volle Starlink-Dienste für die Ukraine. Ein neuer diplomatischer Anlauf für eine mögliche Lösung des Angriffskriegs soll im November unternommen werden.

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Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.