Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,0 hat in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) den Kreis Baqing in der Autonomen Region Tibet in China erschüttert. Nach Angaben chinesischer Staatsmedien kamen mindestens 16 Menschen ums Leben, die Zahl der Verletzten stieg auf 54. Die Erdstöße ereigneten sich in einer Tiefe von rund zehn Kilometern, wie die chinesische Erdbebenwarte mitteilte. Seitdem wurden in der Region mehrere Nachbeben registriert.
Die Rettungs- und Sucheinsätze laufen unter Hochdruck weiter. Die Regierung entsandte nach Angaben des staatlichen Fernsehens 350 Rettungskräfte der Feuerwehr und 83 Fahrzeuge in das Katastrophengebiet. Bislang wurden mehr als 330 beschädigte Häuser und 20 zerstörte Ställe gezählt. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte laut der Nachrichtenagentur Xinhua, die Such- und Rettungsmaßnahmen mit aller Kraft voranzutreiben, die Verletzten medizinisch zu versorgen und die Zahl der Toten und Verletzten so gering wie möglich zu halten.
In den sozialen Medien kursierten Aufnahmen von Überwachungskameras, die wackelnde Regale in Supermärkten und zitternde Deckenlampen in Wohnungen zeigten. Das staatliche Fernsehen verbreitete zudem Videos, auf denen Menschen panisch aus einem Restaurant stürmten, als die Erde zu beben begann. Das Erdbeben war das bislang stärkste in China in diesem Jahr.
Das Epizentrum liegt rund 180 Kilometer von der nächstgrößeren Stadt Nagqu und etwa 400 Kilometer von der tibetischen Hauptstadt Lhasa entfernt. Die betroffene Gegend im Himalaya gilt als dünn besiedelt. Im Bereich des Epizentrums liegt das Gebiet offiziellen Angaben zufolge auf rund 4800 Metern Höhe. Meteorologen erwarteten für Teile der Region Schneefall, was die Rettungsarbeiten zusätzlich erschweren könnte.
Für Tibet ist es eine weitere schwere Naturkatastrophe innerhalb kurzer Zeit. Ende August hatte eine Sturzflut im Südwesten der Autonomen Region einen Grenzposten unter sich begraben und sich anschließend talwärts nach Nepal ergossen. Auf beiden Seiten der Grenze kamen bei der Katastrophe insgesamt etwa 1450 Menschen ums Leben, mehr als 5500 galten Anfang Oktober noch als vermisst. Erst im Januar 2025 hatte sich im Kreis Tingri, auf der Nordseite des Mount Everest, ein schweres Erdbeben der Stärke 6,8 ereignet. Damals kamen mindestens 126 Menschen ums Leben.
Tibet und der Südwesten Chinas sowie Nepal und Nordindien werden häufiger von Erdbeben heimgesucht. Ursache ist die Kollision der indischen und eurasischen tektonischen Platten, die Spannungen im Untergrund aufbaut und sich immer wieder in schweren Erdstößen entlädt. Die Region zählt damit zu den seismisch aktivsten Gebieten der Welt.
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