Bei neuen russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj rund 550.000 Haushalte von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten worden. Die Angriffe richteten sich erneut gegen Anlagen des Energiesektors sowie gegen andere Infrastruktureinrichtungen. Betroffen sind nach den bisher vorliegenden Informationen mehrere Regionen des Landes.
Selenskyj erklärte, es habe vor den Angriffen keine Warnung durch die Verbündeten gegeben. Damit wiederholt sich aus Sicht Kiews ein Muster: Bereits in der Vergangenheit hatte der Präsident beklagt, dass die Ukraine von den USA und anderen Partnern nicht rechtzeitig über unmittelbar bevorstehende russische Angriffe informiert worden sei. Eine offizielle Reaktion aus Washington auf die jüngste Darstellung lag zunächst nicht vor.
Die gezielten Angriffe auf das Stromnetz haben in der Ukraine seit Beginn des Krieges immer wieder zu großflächigen Ausfällen geführt. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten versucht Russland offenbar, die Versorgungslage der Bevölkerung gezielt zu beeinträchtigen. Betroffen sind neben privaten Haushalten auch Krankenhäuser, Schulen und Betriebe. Die Reparaturarbeiten an den beschädigten Anlagen dauern jeweils an und binden erhebliche Ressourcen.
Die ukrainische Regierung fordert von ihren westlichen Partnern seit Monaten eine bessere Luftverteidigung, um die Energieinfrastruktur besser schützen zu können. Die jüngsten Angriffe dürften diese Forderungen erneut verstärken. Unklar ist bislang, wie schwer die Schäden an den einzelnen Anlagen tatsächlich sind und wie lange die Versorgung in den betroffenen Gebieten unterbrochen bleibt.
Die erneute fehlende Vorwarnung durch die USA wirft Fragen zum Informationsaustausch zwischen Kiew und seinen Verbündeten auf. Selenskyj hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass frühzeitige Warnungen Leben retten und Schäden an kritischer Infrastruktur begrenzen könnten. Ob es sich bei dem jüngsten Fall um eine bewusste Entscheidung der amerikanischen Seite oder um eine Lücke in der Weitergabe von Geheimdienstinformationen handelt, ist nicht geklärt.
Die Angriffe auf die Energieversorgung sind Teil der russischen Strategie, den Widerstandswillen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen. Internationale Beobachter werten die gezielten Schläge gegen zivile Infrastruktur als mögliche Kriegsverbrechen. Die Ukraine bemüht sich nach eigenen Angaben, die Stromversorgung durch Reparaturen und die Verlagerung von Anlagen so schnell wie möglich wiederherzustellen.
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