Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien liegt der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro nach ersten Teilergebnissen vor dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Nach der Auszählung eines erheblichen Teils der elektronischen Wahlurnen kam Bolsonaro auf rund 50 Prozent der Stimmen, Lula lag bei etwa 42 Prozent. Die übrigen Kandidaten erreichten jeweils nur einstellige Werte.
Knapp 160 Millionen Menschen im bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas waren zur Wahl aufgerufen. In den letzten Umfragen hatten Lula und Bolsonaro eng beieinandergelegen. Sollte keiner der Kandidaten mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten, findet am 25. Oktober eine Stichwahl statt. Das endgültige Ergebnis kann deutlich vom Zwischenstand abweichen, da die südlichen Bundesstaaten, die tendenziell Bolsonaro unterstützen, ihre Ergebnisse oft schneller melden, während die Stimmen aus Lulas Hochburg im Nordosten gewöhnlich später ausgezählt werden.
Die Wahl gilt als Richtungswahl für Lateinamerika. Während Lula von der Arbeiterpartei PT eine vierte Amtszeit anstrebt und seine Politik mit Sozialprogrammen und öffentlichen Investitionen fortsetzen will, hofft Flávio Bolsonaro, die rechte Bewegung seines Vaters wieder an die Macht zu bringen. In den vergangenen Jahren waren mehrere Länder der Region durch Wahlen deutlich nach rechts gerückt. Ein Sieg Lulas würde Brasilien dagegen neben Mexiko als große linke Bastion erhalten.
Flávio Bolsonaro ist der Sohn des ultrarechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen eines Putschversuchs gegen Lula zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde und unter Hausarrest steht. Jair Bolsonaro war ein enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Sein Sohn will bei einem Wahlsieg eine Amnestie für ihn erreichen.
Der Wahlkampf war von Sorgen über die schwächelnde Wirtschaft, Korruptionsskandalen sowie Vorwürfen einer Einmischung der USA geprägt. Die Staatsverschuldung liegt bei über 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zudem löste ein Skandal um das abgewickelte Geldinstitut Banco Master neue Empörung über Korruption in der politischen Klasse aus.
Der Präsident des obersten Wahlgerichts TSE, Nunes Marques, erklärte bei einer Pressekonferenz, Geheimdienstberichte hätten bislang keine konkreten Hinweise auf eine ausländische Einflussnahme auf die Wahl ergeben. Er äußerte sich auf Nachfrage vor dem Hintergrund, dass die USA am Freitag ihre Konsulardienste in dem südamerikanischen Land aus Sicherheitsgründen geschlossen hatten.
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