Die polnischen Behörden gehen Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne gegen Regierungschef Donald Tusk und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz nach. Wie eine Sprecherin des Innenministeriums am Sonntag mitteilte, habe die Polizei entsprechende Hinweise erhalten. Innenminister Marcin Kierwiński ordnete Maßnahmen in der Sache an, auch der für die Geheimdienste zuständige Minister Tomasz Siemoniak leitete Schritte ein.

Nach Angaben der polnischen Zeitung «Gazeta Wyborcza» kamen um 11 Uhr Vertreter des Inlandsgeheimdienstes ABW, der Polizei und des Staatsschutzdienstes SOP zu einer Sondersitzung zusammen. Der SOP ist unter anderem für den Schutz hochrangiger Politiker zuständig. Regierungssprecher Adam Szłapka sagte dem Fernsehsender Polsat News, Tusk sei am Sonntag gegen 7 Uhr über die mögliche Bedrohung informiert worden. Die Angelegenheit sei ernst, betonte Szłapka. Der Regierungschef halte sich weiterhin in Warschau auf und gehe seinen Amtsgeschäften nach.

Nähere Angaben zu den Hintergründen machten die Behörden zunächst nicht. Der Sprecher des Geheimdienstkoordinators, Jacek Dobrzyński, erklärte gegenüber der polnischen Nachrichtenagentur PAP, er könne derzeit keine weiteren Einzelheiten nennen. Ob tatsächlich ein Anschlag vorbereitet wurde, ist bislang unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Die Warnung fällt in eine angespannte Lage in Polen. Eine Serie von Messerangriffen an Schulen versetzt das Land seit Tagen in Unruhe und beschäftigt auch die Politik. Nach Angaben der Behörden nahm die Polizei bereits 117 Personen fest. Am Sonntagmorgen hatte Tusk an einer Besprechung mit mehreren Ministern und Sicherheitsverantwortlichen teilgenommen. Dabei ging es um Gewalt an Schulen und die Verbreitung von Desinformation. Die Sitzung war bereits am Samstag angekündigt worden. Ein Zusammenhang mit der Anschlagswarnung ist nicht bekannt.

Die polnischen Behörden sind damit gleichzeitig mit zwei Sicherheitsthemen befasst: der Aufklärung möglicher Anschlagspläne gegen Spitzenpolitiker und der Reaktion auf die Gewaltwelle an Schulen. Innenministerium und Geheimdienste halten sich zu den Ermittlungen bedeckt. Weitere Einzelheiten wollen die zuständigen Stellen zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen.

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Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.