Drei Jahre nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 leiden Überlebende und ihre Familien noch immer unter den Folgen. «Das Leben wird für uns nie wieder dasselbe sein», sagt Efrat Machikawa im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ihre Tante und ihr Onkel wurden damals aus dem Kibbuz Nir Oz in den Gazastreifen verschleppt. Noch heute schliefen sie und ihre Angehörigen schlecht, sagt Machikawa. «Wir haben noch nicht wieder ins Leben zurückgefunden.»

Bei dem Massaker wurden rund 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Augenzeugen berichteten von extremer Gewalt, Verstümmelungen und Vergewaltigungen. Viele Terroristen filmten ihre Gräueltaten und übertrugen sie live in sozialen Netzwerken. Der Überfall löste den verheerenden Gaza-Krieg aus. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem rund 74.000 Palästinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern. Weite Teile des dicht besiedelten Küstenstreifens wurden verwüstet. Weltweit wird das harte Vorgehen des israelischen Militärs scharf kritisiert.

Gadi Moses, ein Deutsch-Israeli, wurde am 7. Oktober 2023 aus Nir Oz verschleppt und 482 Tage lang von Mitgliedern der Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Dschihad alleine festgehalten. Der heute 83-Jährige habe in der Geiselhaft unter schlechten hygienischen Bedingungen gelitten, es habe wenig Essen gegeben, berichtet seine Nichte. Viel Zeit habe er damit verbracht, in seinem Zimmer auf und ab zu gehen. Besonders grausam seien für ihn die Lügen seiner Entführer über seine Familie gewesen. Die Terroristen hätten ihm erzählt, seine Frau sei ebenfalls entführt worden. Im November 2023 ließ er ihr zum Geburtstag Glückwünsche übermitteln. Die Geiselnehmer hätten ihm mündlich eine Antwort weitergeleitet – dabei sei seine Frau da bereits tot gewesen. Das erfuhr Moses erst später im Radio. «Da war er am Boden zerstört», sagt Machikawa. Seine Frau kam demnach bei einem Entführungsversuch ums Leben, als die israelische Armee das Fahrzeug der Terroristen angriff.

Auch über das Schicksal seiner Tochter wurde Moses getäuscht. Die Entführer behaupteten, die Frau und ihre beiden Töchter seien ebenfalls verschleppt worden. Während der Gefangenschaft hörte Moses im Radio, dass Terroristen das Haus der Nachbarn seiner Tochter angezündet und die dort lebende Familie mit ihren drei kleinen Kindern getötet hätten. Der zehnfache Großvater habe sich in seiner Notlage vorgenommen, sich auf seine verbliebenen Enkel zu konzentrieren. «Er hat Moran und die Mädchen verdrängt, weil er den Schmerz nicht aushalten konnte», sagt seine Nichte. Was Moses damals nicht wusste: Seine Tochter und die beiden Enkelinnen überlebten das Massaker im Schutzraum ihres Hauses.

Terroristen verschleppten auch Moses' Ex-Frau Margalit aus Nir Oz. Sie sei in Tunneln unter der Erde zusammen mit anderen Geiseln festgehalten worden, erzählt Machikawa. Die Frau, ebenfalls Deutsch-Israelin, habe sich in Gefangenschaft auch um andere Geiseln gekümmert. Die Wunden eines bei der Entführung verletzten Israelis habe sie immer wieder mit Honig behandelt. Diese seien zwar geheilt, der Mann überlebte die Geiselhaft jedoch nicht. Margalit Moses kam im November 2023 im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas frei. Seit September lebt sie wieder in Nir Oz. «Sie ist sehr mutig, dorthin zurückzukehren», sagt ihre Nichte.

Gadi Moses kehrte laut seiner Familie wenige Monate nach seiner Freilassung im Januar 2025 nach Nir Oz zurück. Der 83-Jährige lebe dort inzwischen in einem Haus mit kugelsicherem Schlafzimmer und Dusche. Seine Nichte sagt, der Agronom arbeite weiter. Trotz ihrer Geiselnahme setzten sich Gadi und Margalit weiterhin für ein Zusammenleben mit den Nachbarn aus dem Gazastreifen ein. «Sie sind beide Friedensaktivisten», sagt Machikawa. Gadi Moses habe Palästinenser vor dem Terrorüberfall in der Landwirtschaft ausgebildet. Die Terroristen hätten am 7. Oktober 2023 besonders denen geschadet, die den Palästinensern am meisten geholfen hätten.

Die Familie sei aber vor allem wütend auf die israelische Regierung. Diese hat bisher keine offizielle Untersuchung eingeleitet und auch keine Verantwortung für das Versagen während des Massakers übernommen. Das erschwere Opfern und Angehörigen die Heilung, sagt Machikawa. Ihre Familie zähle sich im Vergleich zu anderen Betroffenen «zu den Glücklicheren». Auch die ebenfalls entführte Tochter sowie die verschleppten Enkelinnen von Moses' getöteter Frau seien aus der Geiselhaft freigekommen. Andere Einwohner von Nir Oz hätten dagegen mehrere Angehörige verloren.

Im Oktober 2025 kamen die letzten lebenden Geiseln frei. Seitdem herrscht eigentlich eine Waffenruhe. Zuletzt verstärkte Israels Armee jedoch wieder ihre Luftangriffe in Gaza und tötete laut eigener Darstellung gezielt ranghohe Mitglieder von Terrororganisationen. Die humanitäre Lage bleibt katastrophal, viele Menschen leben etwa weiterhin in Zelten.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.