Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat wegen des neuen russischen Satelliteninternetdienstes Rasswet vor einem Krieg im Weltraum gewarnt. Die Forderung der Ukraine, das System zu blockieren, könne zu einem großangelegten Krieg im All führen, erklärte Medwedew über den Kurznachrichtendienst Telegram. Er hoffe, dass die Amerikaner dies verstünden, weil ansonsten die Satelliten des US-Systems Starlink «wie der Schmuck eines vertrockneten Weihnachtsbaums» herunterfallen könnten.
Medwedew mahnte, im «sehr engen» Weltraum müssten die Staaten gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen. Russland hatte im März und im Juli Satelliten des Rasswet-Systems in eine Erdumlaufbahn in 800 Kilometern Höhe gebracht. Kremlchef Wladimir Putin behauptete, Rasswet stehe dem System Starlink des Tech-Milliardärs Elon Musk technisch in nichts nach. Das Satellitennetz für Hochgeschwindigkeitsinternet soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte US-Präsident Donald Trump zu Sanktionen gegen die russische und die chinesische Konkurrenz von Starlink aufgerufen. Bereits Ende August forderte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha die Internationale Fernmeldeunion ITU als UN-Telekom-Organisation auf, insbesondere ukrainisches Gebiet von der Abdeckung durch die Rasswet-Satelliten auszuschließen. Russland wolle die Satelliten für seinen Krieg gegen die Ukraine nutzen, begründete er.
«Wir rufen alle Partner auf, unsere Position zu unterstützen und alle möglichen Schritte zu unternehmen, um Rasswet daran zu hindern, zu funktionieren – nicht nur über dem souveränen Territorium der Ukraine, sondern auch über dem souveränen Territorium anderer Länder», teilte Sybiha auf der Plattform X mit. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
Die Drohung aus Moskau fällt in eine Phase, in der Russland seine Angriffe auf die Ukraine bereits massiv ausgeweitet hat. Aus Moskau kommen neue Drohungen, während Kanzler Merz in Kiew noch mehr Militärhilfe ankündigt. Für die Eskalation trage allein Selenskyj die Verantwortung, heißt es aus dem Kreml.
Das Rasswet-System ist Teil der russischen Bemühungen, eine eigene Infrastruktur für satellitengestütztes Internet aufzubauen und damit die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu verringern. Der Dienst soll in Konkurrenz zu Starlink treten, das die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland nutzt. Die ukrainische Regierung befürchtet, dass Rasswet nicht nur zivilen Zwecken dient, sondern auch der militärischen Kommunikation Russlands. Die Forderung nach einer Blockade richtet sich daher an die internationale Gemeinschaft und die ITU.
Medwedews Äußerungen sind eine Reaktion auf diese Bestrebungen. Seine Warnung vor einem Krieg im All unterstreicht die wachsende Bedeutung des Weltraums als strategische Sphäre. Beobachter sehen darin eine Eskalation der Rhetorik zwischen Moskau und Kiew sowie eine indirekte Drohung an die USA und deren Verbündete. Ob die angedrohten Konsequenzen tatsächlich umgesetzt werden könnten, ist unklar. Klar ist, dass der Wettlauf um satellitengestützte Kommunikation und die Kontrolle über erdnahe Umlaufbahnen an Bedeutung gewinnt.
28

