Russland und die Ukraine haben positiv auf eine lokal begrenzte Waffenruhe in der seit Monaten abgeriegelten Frontstadt Oleschky reagiert. Nach einer entsprechenden Ankündigung aus dem Weißen Haus sagte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow, die russischen Streitkräfte würden im Rahmen einer humanitären Operation das Feuer in Richtung Cherson einstellen. Die Waffenruhe gelte ab Dienstag 4.00 Uhr Moskauer Zeit, also 2.00 Uhr MEZ. Wie lange sie dauern soll, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez kündigte an, dass gemäß der Vereinbarung eine Waffenruhe gewährleistet, humanitäre Hilfsgüter nach Oleschky geliefert und die freie Bewegung der Einwohner sichergestellt werden sollen. Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, First Lady Melania Trump habe die lokale Waffenruhe zwischen Moskau und Kiew vermittelt. Beide Konfliktparteien hätten vereinbart, die Kampfhandlungen dort ab dem 29. Oktober vorübergehend einzustellen. Auch Papst Franziskus hatte Kremlchef Wladimir Putin bereits zu einem Waffenstillstand an der Frontstadt aufgefordert.
Die Kleinstadt Oleschky liegt auf russisch besetztem Gebiet im Süden der Ukraine am Ufer des Dnipro und ist seit Monaten von der Versorgung abgeschnitten. Nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2.000 Menschen fest. Hilfsorganisationen beklagen seit langem die prekäre humanitäre Lage. Die Gebietshauptstadt Cherson ist in ukrainischer Hand und nur neun Kilometer entfernt; dazwischen verläuft die Front. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, die Evakuierung werde mindestens einige Tage dauern. Wer wolle, könne Oleschky verlassen. Russland begrüße die Bemühungen der First Lady Melania Trump, die einen wesentlichen Beitrag zur Koordinierung der humanitären Operation geleistet habe. In dem jüngsten Telefonat von Putin und US-Präsident Donald Trump sei es auch darum gegangen.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, David Arachamija, erklärte auf Telegram, in Kürze werde eine Operation zur «Entsperrung» von Oleschky beginnen. Ziel sei die Schaffung eines dauerhaften humanitären Korridors für eine sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung und die Lieferung von Hilfsgütern. Um dieses Ziel zu erreichen, werde in Kürze eine Waffenruhe vereinbart, wie Melania Trump es mitgeteilt habe. Nach jahrelangem wechselseitigem Beschuss liegen rund um Oleschky Minen; ein Verlassen der Stadt ist in alle Richtungen lebensgefährlich. Der Kreml warf der ukrainischen Armee wiederholt vor, durch Drohnenangriffe die Lieferung von Lebensmitteln nach Oleschky zu verhindern.
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