Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat bei einer Preisverleihung in Berlin per Videobotschaft eindringlich an die Solidarität Europas im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine appelliert. «Wir wollen nie wieder Krieg in Europa. Frieden braucht unsere gemeinsame Verantwortung. Freiheit braucht Menschen, die füreinander einstehen», sagte der 55-Jährige nach Angaben der Veranstalter. Eigentlich wollte Klitschko den European Future Award persönlich in Berlin entgegennehmen. Wegen der dramatisch zugespitzten Lage in der ukrainischen Hauptstadt musste er jedoch vor Ort bleiben.
In seiner Ansprache schilderte Klitschko die Lage in Kiew drastisch. Er erlebe Tag und Nacht, wie dramatisch der Beschuss geworden sei – auf Brücken, Kraftwerke, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Wohnhäuser. Kremlchef Wladimir Putin wolle «uns kaputt bomben und dafür sorgen, dass die Menschen aus den Städten fliehen», sagte Klitschko. Ziel sei es, «für Millionen Flüchtlinge in Europa zu sorgen» und dass «Europa uns deshalb im Stich lässt und wir kapitulieren. Aber das wird nie passieren». Der frühere Weltklasse-Boxer erhielt für seine Videobotschaft lauten Applaus und Standing Ovations.
Klitschko stellte zugleich eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: «Warum soll unser Traum einer europäischen Zukunft mit einem so hohen Preis bezahlt werden?» Die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft in Europa gebe vielen Menschen in der Ukraine die Kraft durchzuhalten. Als Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt verteidige er etwas, das über die Zukunft seiner Stadt und seines Landes hinausweise: das Recht der Menschen, frei und selbstbestimmt zu leben, heißt es in der Jurybegründung. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion.
Der European Future Award wird unter der Schirmherrschaft von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) vergeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die für Freiheit, Menschenrechte, Solidarität und Diversität stehen, Brücken bauen und den europäischen Gedanken stärken. Neben Klitschko wurden der Schauspieler Daniel Brühl, die Co-Gründerin des europäischen sozialen Netzwerks W Social, Anna Zeiter, sowie die kurdische Autorin und Dichterin Meral Şimşek geehrt. Die Initiative «Tu was für Europa» unter dem Vorsitz von Martin Schulz, dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, hat den Preis zum ersten Mal in Berlin vergeben.
Die Verleihung in Berlin fällt in eine Phase, in der die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur nach Darstellung Klitschkos massiv zugenommen haben. Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Verteidigung nicht nur militärisch, sondern auch eine Frage der europäischen Haltung sei. Die Auszeichnung solle Menschen würdigen, die sich für die europäische Idee einsetzen – Klitschko nutzte die Bühne, um diese Idee mit der konkreten Notlage seiner Stadt zu verbinden.
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