Der von Saudi-Arabien unterstützte Präsidialrat des Jemen hat eine großangelegte Militäroffensive zur Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz kontrollierten Gebiete angekündigt. Die Staatsgewalt solle wieder auf das «gesamte Landesgebiet» ausgedehnt werden, erklärte Präsidialratsvorsitzender Raschad al-Alimi. Der Armeeeinsatz solle so lange andauern, «bis das Land aus dem Griff der terroristischen Huthi-Miliz befreit ist».

Die Ankündigung fällt in eine Phase erheblicher militärischer Rückschläge für die international anerkannte Regierung. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Im September hatten die Huthis die Kontrolle über große Teile der westjemenitischen Küste übernommen. Kurz vor Bekanntgabe der Offensive brachten sie zudem eine wichtige Straße zwischen der belagerten Stadt Tais und der Interimshauptstadt Aden in ihre Gewalt. Nach Angaben aus örtlichen Polizeikreisen übernahm die Miliz das Gebiet von Al-Safija, unterbrach die Straße und besetzte eine Polizeiwache. Der Verkehr auf der Verbindung kam zum Erliegen. Die Huthis hätten die Stadt Tais damit nun umzingelt, die selbst von Regierungstruppen kontrolliert wird und bislang von drei Seiten belagert wurde.

Die Kämpfe haben sich zuletzt deutlich verschärft. In der Provinz Tais und umliegenden Gebieten wurden binnen eines Tages mehr als 70 Menschen getötet. Aus Kreisen der international anerkannten Regierung hieß es, 34 Soldaten seien getötet worden, 20 davon im grenznahen Gebiet der benachbarten Provinz Lahdsch. Aus Militärkreisen der Huthis hieß es, 39 ihrer Kämpfer seien in der Gegend getötet worden. Regierungstruppen griffen eigenen Angaben zufolge von der Huthi-Miliz kontrollierte Orte im gesamten Land an. Armeesprecher Madschid al-Nusaili erklärte, die Streitkräfte hätten Angriffe in der Hauptstadt Sanaa, in der nordwestlichen Provinz Saada – einer Hochburg der Gruppe – sowie in Tais im Südwesten ausgeführt.

Die Huthis reagierten mit Angriffen auf das Nachbarland Saudi-Arabien. Ein Huthi-Sprecher teilte mit, die Gruppe habe zwei Standorte des saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco in Riad sowie im Gebiet von Churais mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Die «präzisen und direkten» Attacken hätten Brände ausgelöst. Journalisten berichteten von einem Brand in der Ölanlage in der Hauptstadt Riad. Eine unabhängige Bestätigung des Konzerns für Treffer liegt bislang nicht vor. Es ist bereits das dritte Mal, dass die Huthis saudiarabische Ölanlagen angreifen. Der den Huthis nahestehende Sender Al-Masirah meldete am Sonntag saudiarabische Angriffe auf Ziele in den nordjemenitischen Regionen Al-Dschauf und Saada, bei denen mindestens zwei Menschen verletzt worden seien. Zuvor hatten die Huthis der Armee Saudi-Arabiens vorgeworfen, Luftangriffe auf Sanaa geflogen zu haben. Ein Korrespondent hörte in Sanaa mindestens fünf Explosionen in verschiedenen Stadtteilen und sah zwei Kampfflugzeuge, die Raketen abfeuerten.

Die Erfolgsaussichten der angekündigten Regierungsoffensive werden von Beobachtern als gering eingeschätzt. Farea Al-Muslimi vom Thinktank Chatham House sagte, die Huthis hätten das «militärische Ziel» erreicht, die Stadt Tais von der Interimshauptstadt Aden zu isolieren, auch wenn sie Tais derzeit nicht kontrollierten. «Meiner Meinung nach ist sie bedeutungslos», so Al-Muslimi über die Offensive. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Miliz und bombardiert immer wieder Ziele der Huthis. Das sunnitische Königreich ist mit der international anerkannten Regierung im Jemen verbündet. Die Huthi-Miliz begründete ihre Angriffe auf Saudi-Arabien mit vorherigen Luftschlägen auf Sanaa sowie auf die Provinzen Saada, Tais und Amran.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.