Die Streitkräfte der international anerkannten Regierung des Jemen haben nach eigenen Angaben im Rahmen einer Großoffensive strategisch wichtige Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen. Ein Militärsprecher erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Einheiten hätten unter anderem den Flughafen der Küstenstadt Dhubab im Südwesten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Offensive gegen die Huthi-Miliz war am Sonntag gestartet worden.
Die von den Huthi-Rebellen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba wies die Darstellung umgehend zurück. Sie bezeichnete die Berichte als Versuch, Misserfolge und wiederholte Niederlagen zu vertuschen. Eine unabhängige Überprüfung der widerstreitenden Angaben ist derzeit nicht möglich, da der Zugang zu der umkämpften Region stark eingeschränkt ist.
Der Ort Dhubab kommt aufgrund seiner geografischen Lage eine besondere Bedeutung zu. Er fungiert als Kontrollpunkt für den südlichen Zugang zum Roten Meer. Die umliegenden Höhenzüge und Küstenabschnitte ermöglichen sowohl die Überwachung des zivilen Schiffsverkehrs als auch Angriffe mit Drohnen und Raketen. Aus diesem Grund ist die Region zwischen den Huthi-Rebellen und den Truppen der anerkannten Regierung seit langem hart umkämpft.
Als Ziel der am Sonntag begonnenen Militäroperation nannte Raschad al-Alimi, der Vorsitzende des Präsidialen Führungsrats, die vollständige Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz besetzten Gebiete. Die Regierungstruppen werden dabei von Saudi-Arabien unterstützt. Die Huthi-Miliz gilt als Verbündeter des Irans. Seit Wochen liefern sich die verfeindeten Lager im Jemen wieder schwere Gefechte.
Bereits im September hatte die Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die gesamte Rotmeerküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und sich damit auch den Zugriff auf die wichtige Meerenge Bab al-Mandab gesichert. Die jüngsten Kämpfe markieren einen erneuten Versuch der Regierungstruppen, diese strategisch bedeutsame Zone zurückzugewinnen. Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Eine dauerhafte Kontrolle über die Küstenabschnitte ermöglicht es, den internationalen Schiffsverkehr zu überwachen und potenziell zu beeinträchtigen.
Die militärische Lage bleibt unübersichtlich. Während die Regierungsseite von Raumgewinnen spricht, betont die Huthi-Führung, die Angriffe seien zurückgeschlagen worden. Beobachter vor Ort können die Angaben derzeit nicht verifizieren. Die Kämpfe konzentrieren sich auf den Südwesten des Landes, wo die Frontlinien zwischen den verfeindeten Parteien verlaufen. Für die Zivilbevölkerung in der Region bedeutet die anhaltende Gewalt weitere Unsicherheit und Vertreibung.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da eine Ausweitung der Kämpfe die Sicherheit der Schifffahrtswege im Roten Meer weiter gefährden könnte. Der Jemen-Konflikt dauert seit Jahren an und hat zu einer der schwersten humanitären Krisen der Welt geführt. Die jüngste Offensive dürfte die Spannungen in der Region weiter erhöhen.
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