Der tödliche Angriff auf den Flughafen von Riad hat den seit Monaten andauernden Krieg im Nahen Osten mit neuer Wucht ins Machtzentrum Saudi-Arabiens getragen. Für die Attacke am Wochenende machte das Königreich die Huthi-Miliz im Jemen verantwortlich. Es handelt sich um den schwersten Angriff in dem Wüstenstaat seit zehn Jahren und um den tödlichsten in einem Golfstaat seit Beginn des Iran-Kriegs. Zwölf Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt. Saudi-Arabien und der benachbarte Jemen werden damit zunehmend zur neuen Front.

Die Huthi sind eine islamistische Bewegung im Jemen, die aus einer Strömung des schiitischen Islams, den Zaiditen, hervorgegangen ist. Entstanden in den 1990er Jahren, radikalisierten sie sich nach der US-Invasion im Irak 2003. Im stark verarmten Jemen zettelten sie mehrere Aufstände gegen die Regierung an. Der letzte ab 2014 entwickelte sich zum Bürgerkrieg, in dem sie große Gebiete einnahmen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Zuletzt eroberten sie weitere Teile der Küste an der Meerenge Bab al-Mandab. In ihren Gebieten, in denen schätzungsweise 70 Prozent der Bevölkerung leben, herrschen sie mit eiserner Faust und kontrollieren alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

Ab den 2000er Jahren wurden die Huthi militärisch und finanziell immer stärker vom schiitischen Iran unterstützt. Heute gelten sie als einer der mächtigsten nicht-staatlichen Akteure in Nahost mit einem wachsenden Waffenarsenal. UN-Experten schätzten ihre Stärke Ende 2024 auf etwa 350.000 Kämpfer. Im Zuge des Gaza-Kriegs ab 2023 und mit dem Iran-Krieg gewannen die Huthi, die Israel und die USA als Todfeinde betrachten, immer mehr an Einfluss. Der Nahost-Forscher Thomas Juneau von der Universität Ottawa schreibt, sie hätten sich «von einer lokalen Aufstandsbewegung zur beherrschenden Kraft im Jemen zur Regionalmacht entwickelt». Sie stimmten Angriffe mit Milizen in Syrien und im Irak ab und bauten Verbindungen nach Russland und China auf.

Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien, das eine Führungsrolle in der arabischen und muslimischen Welt beansprucht, war in der Region lange der Erzrivale und wichtigste Gegenspieler Teherans. Unter Führung des faktischen Herrschers Mohammed bin Salman begann Riad 2015, Ziele im Jemen zu bombardieren, um die Huthi und damit den Einfluss des Irans im südlichen Nachbarland zurückzudrängen. Die Miliz griff ihrerseits mehrfach saudische Flughäfen und Ölanlagen an. Eigentlich herrschte im Jemen-Krieg ab 2022 eine Waffenruhe. Riad suchte lange einen Ausweg aus dem teuren Krieg, der dem Kronprinzen wegen der vielen zivilen Opfer und der humanitären Katastrophe im Jemen international viel Kritik einbrachte. Doch die Vermittlungen etwa des Omans oder der Vereinten Nationen brachten immer nur Teilerfolge. Seit die Huthi im September bei einer Blitzoffensive bis zur wichtigen Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer vorrückten, kommt es auch wieder zu schweren Gefechten im Jemen, bei denen Saudi-Arabien die international anerkannte Regierung unterstützt.

Der Iran-Krieg spielt eine entscheidende Rolle für die Eskalation. Im arabischen Raum wird er nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer Eskalation Israels im Gazastreifen und dem Westjordanland, in Syrien und im Libanon. Auch die Eskalation im Jemen hat eine direkte iranische Komponente: Dort sollte im Juli ein iranisches Flugzeug mit einer Huthi-Delegation landen, die von der Beerdigung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei zurückkehrte. Mit Luftangriffen am Flughafen Sanaa – mutmaßlich durch Saudi-Arabien – signalisierte Riad, dass es keine direkte Verbindung der Huthi mit Teheran zulassen werde. Es folgten gegenseitige Angriffe, die schließlich in den jetzt laufenden Gefechten im Jemen und neuen Huthi-Angriffen in Saudi-Arabien mündeten. Die Denkfabrik Sanaa Center schreibt, der Flug sei als «iranische Eskalation im Schauplatz Jemen» zu verstehen. Teheran habe damit die «Jemen-Front aktiviert» und den USA und ihren Verbündeten signalisiert, dass der Iran auch anderswo Kosten verursachen kann, vor allem für Saudi-Arabien und die Golfländer.

Das Königreich bemüht sich seit Wochen, die USA und andere Partner stärker bei der Verteidigung einzubinden. Denn die Angriffe bedeuten einen schweren Rückschlag für die Versuche der Führung, das Land in einen Knotenpunkt für Geschäfte und Tourismus zu verwandeln. So sind der Jemen und Saudi-Arabien ein neuer, heißer Schauplatz im Iran-Krieg geworden – auch wenn der Streit etwa um die Straße von Hormus weiter ungelöst ist und neue US-Angriffe im Iran nach den Kongresswahlen in wenigen Wochen möglich scheinen.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.