Nach den schweren Ausschreitungen am vergangenen Wochenende haben mehrere französische Großstädte für den Abend erneut nächtliche Ausgangssperren verhängt. Betroffen sind unter anderem Paris, Lyon und Marseille. Die Maßnahmen sollen weitere Gewalt verhindern und die öffentliche Ordnung wiederherstellen.

In Paris gilt die Ausgangssperre von Dienstagabend 23.00 Uhr bis Mittwochfrüh 06.00 Uhr rund um die Place de la République und im Einkaufsviertel Les Halles. Das teilte die Polizeipräfektur der Hauptstadt mit. Zusätzlich wurden nicht angemeldete Versammlungen in bestimmten Stadtteilen verboten. Kundgebungen sind nach Polizeiangaben unter anderem auf den Champs-Élysées, vor den Pariser Bahnhöfen, auf mehreren zentralen Plätzen sowie rund um den Präsidentenpalast, den Regierungssitz, das Parlament und das Innenministerium untersagt. Mehrere Metrostationen bleiben ab 22.00 Uhr geschlossen.

In Lyon gilt im Stadtzentrum bis Mittwochfrüh eine Ausgangssperre. In Marseille wurde für bestimmte Stadtviertel bis einschließlich Freitag ein nächtliches Ausgehverbot für Minderjährige verhängt. Die Behörden reagieren damit auf die eskalierte Lage am Wochenende, als im Umfeld von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem massive Ausschreitungen ausbrachen.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden am Wochenende mehr als 2.400 Personen festgenommen und fast 1.000 Beamte verletzt. Tausende Geschäfte wurden geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und mehrere Gebäude in Brand gesetzt. Eine Augenzeugin aus Paris berichtete von ausgebrannten Autos, verbrannten Leihfahrrädern und Glasscherben auf den Gehwegen. Die Zerstörungen seien bis in den Asphalt sichtbar gewesen.

Premierminister Sébastien Lecornu kündigte als Reaktion ein «massives» Polizeiaufgebot an. Die Sicherheitskräfte seien am vergangenen Wochenende «nicht mobil genug» gewesen, kritisierte der Regierungschef. Die Regierung steht unter Druck, die Lage bis zum kommenden Wochenende unter Kontrolle zu bringen. Für Samstag sind weitere Proteste geplant.

Die aktuellen Unruhen gehen auf Schülerproteste zurück, die bereits im September begannen. Jugendliche blockierten damals ihre Schulen aus Unzufriedenheit mit den dortigen Bedingungen. Am Wochenende vermischten sich diese Proteste mit einer Demonstration gegen die steigenden Lebenshaltungskosten. Nach Einschätzung der Behörden beteiligten sich auch der sogenannte Schwarze Block aus der extrem linken Szene sowie Jugendliche aus Problemvierteln an den Ausschreitungen. Die ursprünglichen Anliegen der Demonstranten traten dabei in den Hintergrund.

Die erneuten Ausgangssperren zeigen, wie angespannt die Lage in Frankreich ist. Die Behörden versuchen mit einem Mix aus nächtlichen Einschränkungen, Versammlungsverboten und verstärkter Polizeipräsenz, weitere Eskalationen zu verhindern. Ob diese Maßnahmen ausreichen, wird sich am kommenden Wochenende zeigen, wenn die nächsten Proteste erwartet werden.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.