Bei erneuten gewaltsamen Protesten in der norditalienischen Metropole Mailand haben Hunderte Vermummte Geschäfte geplündert, Schaufenster eingeworfen und Mülltonnen angezündet. Wie die Behörden mitteilten, bewarfen die Randalierer zudem Polizisten mit Steinen. Die Bereitschaftspolizei griff mit Tränengas und Wasserwerfern ein. Mehr als 60 Demonstranten wurden zur Überprüfung auf Polizeiwachen gebracht.
Die Ausschreitungen vom Sonntag stehen im Zusammenhang mit landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im öffentlichen Dienst. Bereits am Samstag war es in mehreren norditalienischen Städten zu ähnlichen Krawallen gekommen. Einem am Sonntag veröffentlichten Polizeibericht zufolge wurden bei den Ausschreitungen in Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin insgesamt 28 Menschen festgenommen. Die Unruhen wecken Erinnerungen an die schweren Gewaltexzesse im Nachbarland Frankreich, wo Hunderttausende aus Wut über steigende Kosten und den Abbau öffentlicher Dienstleistungen auf die Straße gegangen waren.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt scharf und kündigte für Montag eine Regierungssitzung an, um über die Lage zu beraten. Die Regierungschefin steht unter Druck, eine Antwort auf die sozialen Spannungen zu finden. Im kommenden Jahr stehen in Italien Wahlen an, was die politische Bedeutung der aktuellen Unruhen zusätzlich erhöht.
Die Proteste in Italien sind Teil einer breiteren Bewegung, die sich gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten und den Abbau öffentlicher Dienstleistungen richtet. In Frankreich hatten die Demonstrationen am Samstag landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen mobilisiert, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Teilnehmern. Die dortigen Ausschreitungen waren die schwersten seit Jahren. In Paris kam es auch am Sonntag erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei Tränengas einsetzte. In der ostfranzösischen Stadt Mulhouse verlor eine 17-Jährige am Rande der Proteste ein Auge. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung ein.
Die italienischen Behörden zeigen sich alarmiert über die Intensität der Gewalt. Die Tatsache, dass sich die Ausschreitungen über mehrere Städte erstreckten und an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfanden, deutet auf eine organisierte Dynamik hin. Die Polizei in Mailand war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Dennoch gelang es den Randalierern, erheblichen Sachschaden anzurichten.
Die politische Führung in Rom steht nun vor der Aufgabe, auf die sozialen Unruhen zu reagieren, ohne die öffentliche Ordnung weiter zu gefährden. Die angekündigte Regierungssitzung am Montag soll klären, welche Maßnahmen ergriffen werden. Beobachter rechnen mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen und möglicherweise mit einem Dialogangebot an die Protestbewegung. Die Ereignisse in Mailand und anderen Städten zeigen, wie sehr die steigenden Lebenskosten die Gesellschaft spalten.
Die Unruhen in Italien und Frankreich werfen ein Schlaglicht auf eine wachsende Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Die Menschen fordern bezahlbare Lebensmittel, stabile Mieten und eine funktionierende öffentliche Infrastruktur. Die Regierungen beider Länder stehen unter Zugzwang, Lösungen zu finden, bevor sich die Proteste weiter ausbreiten. In Italien wird mit Spannung erwartet, welche Beschlüsse die Regierungssitzung am Montag fassen wird.
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