Ein massiver Drohnenalarm hat am späten Sonntagabend den Flugbetrieb an allen vier großen Verkehrsflughäfen der russischen Hauptstadt Moskau vorübergehend zum Erliegen gebracht. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete, wurden auf den Airports Scheremetjewo, Wnukowo, Domodedowo und Schukowski sämtliche Starts und Landungen ausgesetzt. Mindestens 25 anfliegende Maschinen mussten in dieser Zeit auf andere Flugplätze umgeleitet werden. Erst am späten Abend wurde der Alarm an allen Standorten wieder aufgehoben.

Nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin wurden mindestens 23 ukrainische Drohnen auf dem Weg in die Metropole noch vor den Stadtgrenzen abgeschossen. Ob einzelne Drohnen die Flugabwehr überwunden oder Schäden angerichtet haben, teilte Sobjanin nicht mit. Die Ziele der unbemannten Flugkörper blieben zunächst unklar. Die Ukraine greift seit Monaten gezielt Rüstungsbetriebe und Raffinerieanlagen tief im russischen Hinterland an, um die Kriegsmaschinerie Moskaus zu schwächen.

Die Auswirkungen des Drohnenalarms beschränkten sich nicht auf die Hauptstadt. Auch in anderen russischen Städten kam es am Abend zu kurzfristigen Unterbrechungen des Flugbetriebs. Betroffen waren unter anderem Kostroma und Jaroslawl nordöstlich von Moskau, wo alle Starts und Landungen zeitweise gestoppt wurden. Die russischen Behörden machten keine Angaben zur Herkunft oder Anzahl der dort gesichteten Drohnen.

Parallel zu den militärischen Ereignissen bewegt sich die diplomatische Ebene. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat sich im Gegenzug für eine 60-tägige Waffenruhe Russlands zu Wahlen in der Ukraine bereit erklärt. In einem Interview mit dem US-Sender ABC sagte er: «Bitte sagen Sie Putin: Geben Sie uns zwei Monate, 60 Tage eines vollständigen Waffenstillstands – 60 Tage –, und wir werden Wahlen organisieren.» Damit reagiert Selenskyj auf anhaltenden Druck aus Washington.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor einen Stopp der ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien gefordert und sich überdies für eine Ablösung Selenskyjs ausgesprochen. Zudem kündigte Trump Diesel-Lieferungen aus dem mit internationalen Sanktionen belegten Russland an. Auf der Plattform Truth Social behauptete Trump, die Ukraine und Russland hätten ein Abkommen über eine «Energie-Waffenruhe» getroffen, das «ab sofort» gelte. Er warnte: «Brecht es nicht!»

Die Führung in Kiew wies jedoch kurz nach Trumps überraschender Ankündigung darauf hin, dass Russland die begrenzte Feuerpause bereits verletzt habe. Außenminister Andrij Sybiha beschuldigte das russische Militär, seine Attacken auf das Nachbarland fortgesetzt und ein Heizkraftwerk schwer getroffen zu haben. Der Kreml verstoße damit klar gegen die Vereinbarung, die laut Trump vom Sonntagnachmittag unmittelbar in Kraft treten und für beide Kriegsparteien gelten sollte.

Unterdessen warnt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor einer drohenden Ölkatastrophe an den europäischen Küsten durch die sogenannte russische Schattenflotte. Die Schiffe seien «ökologische Zeitbomben», da sie oft alt, schlecht gewartet und unzureichend versichert seien, sagte Kallas dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die nächste große Ölkatastrophe an unseren Küsten von der Schattenflotte ausgehen wird», so Kallas. Die Flotte diene zudem der Finanzierung des russischen Krieges und sei in der Vergangenheit als Ausgangspunkt für hybride Angriffe genutzt worden.

Die Europäische Union hat nach Angaben von Kallas in den vergangenen Monaten sechs Inspektionen gegen die Schattenflotte durchgeführt. Jeder Einsatz an Bord koste Russland Zeit und Geld. Der größte Druck auf Moskau entstehe jedoch durch diplomatische Maßnahmen. So hätten afrikanische Länder auf Bitte der EU Hunderte Schiffe aus ihren Registern gestrichen. «Der Verlust der Flagge macht einen Tanker anfälliger für Inspektionen und Festsetzungen und führt dazu, dass Behörden, Versicherer, Banken und Händler zögern, mit ihm Geschäfte zu tätigen», erklärte Kallas. Bislang hat die EU rund 670 Schiffe mit Sanktionen belegt. Die EU-Marinemission Irini war vor drei Monaten auf die Bekämpfung der russischen Schattenflotte ausgeweitet worden.

In der russischen Grenzregion Belgorod kam unterdessen laut örtlichen Behörden ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff ums Leben. Die Drohne habe ein Auto auf einer Straße nahe der Grenze getroffen, teilte die regionale Einsatzzentrale mit. Im von Russland kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk wurde nach Angaben der dortigen pro-russischen Verwaltung eine weitere Person bei einem ukrainischen Angriff getötet.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.