Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 109 Migranten ums Leben gekommen. Unter den Toten sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auch 15 Kinder. Das Boot war auf dem Weg von Dschibuti in den Jemen, als es kenterte.
Mehr als 116 Passagiere werden noch vermisst. Mehr als 80 Menschen überlebten das Unglück. Nach UN-Angaben handelt es sich bei allen Betroffenen um äthiopische Staatsangehörige. Die IOM teilte mit, dass ihre Teams gemeinsam mit den örtlichen Behörden vor Ort sind, um Nothilfe zu leisten.
«Dies ist ein verheerender Verlust an Menschenleben. Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden und den Familien, die Angehörige verloren haben oder noch immer keine Nachricht von ihren Verwandten haben», sagte Alexandre Coissac, Leiter der IOM-Mission in Dschibuti. «Diese Tragödie ist eine eindringliche Erinnerung an die Gefahren, denen Migranten auf diesem Migrationskorridor auf der Suche nach wirtschaftlichen Chancen ausgesetzt sind.»
Dschibuti ist der Ausgangspunkt der sogenannten östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika über die Meerenge Bab al-Mandab auf die arabische Halbinsel. Jedes Jahr versuchen zehntausende Menschen, auf diesem Weg den Jemen und von dort aus weiter in die Golfstaaten zu erreichen. Die IOM hatte erst vor wenigen Tagen berichtet, dass innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Migranten aus Äthiopien in Dschibuti eingetroffen waren. Auch aus Somalia versuchen immer wieder Menschen, über den Hafen von Dschibuti vor allem nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Oman zu gelangen, wo sie auf Arbeit und mehr Stabilität hoffen.
Die Überfahrt über das Meer ist jedoch nur ein Teil der Gefahren. Nach IOM-Angaben sind Migranten, die den Jemen erreichen, Risiken wie Gewalt, willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt. Die Route gilt als eine der gefährlichsten der Welt.
Nach Angaben des IOM-Projekts «Missing Migrants» kamen im Jahr 2025 auf dieser Route mehr als 900 Migranten ums Leben oder gelten als vermisst, während die Zahl derjenigen, die sich auf den Weg machten, um 18 Prozent stieg. Bereits im März 2026 waren bei einem weiteren Schiffsunglück neun Menschen ums Leben gekommen, 45 weitere werden seitdem vermisst.
Die IOM und andere Hilfsorganisationen fordern seit Jahren sichere und legale Migrationswege, um die Zahl der Todesfälle auf den gefährlichen Routen zu reduzieren. Die jüngste Tragödie vor Dschibuti zeigt erneut, wie dringend dieses Anliegen ist.
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