Helen Kevric hat bei den Turn-Weltmeisterschaften in Rotterdam Silber am Stufenbarren gewonnen. Die 18-jährige Stuttgarterin, Europameisterin dieses Jahres, erhielt von den Punktrichtern 14,833 Zähler. Damit sicherte sie dem Deutschen Turner-Bund (DTB) die erste und bislang einzige Medaille bei diesem Championat, und das bei ihrer WM-Premiere.

Hinter ihr stand am Ende eine Klasse für sich: Titelverteidigerin Kaylia Nemour aus Algerien turnte mit 15,333 Punkten zu Gold. Die 19-Jährige gebürtige Französin zeigte eine Übung voller Höchstschwierigkeiten und jubelte anschließend ausgelassen. Unter den Augen von US-Superstar Simone Biles auf der VIP-Tribüne lieferte sie eine beeindruckende Flugshow ab. Einen Tag zuvor war Nemour im Mehrkampf noch auf Platz vier gelandet. Biles schrieb auf Instagram zu einem Video des Vortrags: „Einfach wow.“ Bronze ging an die Mehrkampf-Weltmeisterin Skye Blakely aus den USA mit 14,600 Punkten.

Kevric zeigte sich nach dem Wettkampf überwältigt. „Es ist einfach extrem krass. Ich kann das noch nicht so richtig glauben. Irgendwie ging das alles super schnell. Das zeigt mir, dass ich nach meiner Verletzung den richtigen Weg gegangen bin, dass ich Gas gegeben habe und jetzt stehe ich hier und bin Vize-Weltmeisterin“, sagte sie. Ihre Medaille feierte sie mit zum Herz geformten Händen und fröhlichem Winken in Richtung ihres Vaters Adnan Kevric und der Fans auf der Tribüne.

Der Erfolg kommt nach einer langen Leidenszeit. Bei den Heim-Europameisterschaften 2025 in Leipzig hatte Kevric mit der Mannschaft Silber gewonnen, verletzte sich danach jedoch schwer am linken Knie. Dadurch verpasste sie die WM im selben Jahr in Jakarta und kämpfte sich durch eine schwierige Rehabilitation zurück an die Weltspitze. Ihr Comeback feierte sie im Juli bei den deutschen Meisterschaften in Hannover mit den Titeln am Stufenbarren und am Schwebebalken.

Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris war Kevric mit 16 Jahren Deutschlands jüngste Teilnehmerin und belegte dort am Stufenbarren Platz sechs. Bei jedem Großereignis seit ihrem Debüt bei den Frauen erreichte sie das Finale an diesem Gerät: 2024 wurde sie bei der EM in Rimini Vierte, 2026 gewann sie bei der EM in Zagreb den Titel und nun in der Ahoy Arena in Rotterdam die Silbermedaille. Ihr Medaillenerfolg kommt damit an ihrem Lieblingsgerät zustande, wie es in den Berichten heißt.

Auch in den übrigen Entscheidungen des ersten Finaltages an den Einzelgeräten gab es Siege. Frederick Richards aus den USA gewann am Boden mit 14,633 Punkten. Brasiliens zweimalige Olympiasiegerin Rebeca Andrade setzte sich am Sprung mit 14,466 Durchschnittspunkten durch. Am Pauschenpferd holte Hamlet Manuchjan aus Armenien mit 15,300 Zählern Gold, und an den Ringen war der Chinese Lan Xingyu mit 14,766 Punkten nicht zu schlagen.

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Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.