Gut drei Monate vor der Wahl des Bundespräsidenten gibt es weiterhin keinen gemeinsamen Kandidaten der Union. Auf dem CSU-Parteitag hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erneut dafür geworben, die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier zu nominieren. «Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde es Ilse Aigner von Herzen gönnen, wenn sie nächste Bundespräsidentin werden würde. Das wäre eine tolle Sache», sagte Söder vor den Delegierten. Der Vorschlag wurde mit frenetischem Applaus aufgenommen. Aigner, die in der ersten Reihe saß, stand auf und winkte dem Publikum zu.
Söder kündigte an, er werde seinen Vorstoß am Samstag wiederholen, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Parteitag zu Gast ist. In der CSU wird Aigner seit langem als mögliche Bundespräsidentin gehandelt. Söder hatte sie bereits Ende April in einem Interview mit dem «Münchner Merkur» erstmals für das Amt ins Gespräch gebracht und seine Haltung seither in mehreren Interviews bekräftigt. Aigner selbst reagierte auf entsprechende Fragen stets zurückhaltend und betonte, die Frage stelle sich derzeit nicht.
Die Haltung der CDU-Führung zu einer Kandidatur Aigners ist unklar. Kurz vor dem CSU-Parteitag machte die Partei deutlich, dass die Kandidatenfrage weiter offen ist. Aus Parteikreisen hieß es, die CDU habe den Anspruch nicht aufgegeben, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin zu nominieren. Bundeskanzler und CDU-Chef Merz hat sich zur Kandidatenfrage noch nicht öffentlich geäußert. Auch die Ministerpräsidenten der CDU erheben den Anspruch, bei der Kandidatensuche mitzureden.
Die Wahl des neuen Staatsoberhaupts ist für den 30. Januar angesetzt. Die Bundesversammlung setzt sich aus den 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Wahlfrauen und -männern aus den Ländern zusammen. Nach Expertenberechnungen werden Union und SPD gemeinsam eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen haben. Das bedeutet, dass auch die Sozialdemokraten bei der Kandidatensuche mitreden werden. Dass die Union das Vorschlagsrecht hat, gilt in der Koalition jedoch als ausgemachte Sache.
Ein Bundespräsident aus der CSU hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Auch eine Frau im höchsten Staatsamt wäre ein Novum. Der letzte Bundespräsident aus der Union war Christian Wulff, der im Februar 2012 zurücktrat. Auf ihn folgten der parteilose Joachim Gauck und der frühere Außenminister und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.
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