Der russische Präsident Wladimir Putin hat den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem Treffen in Moskau empfangen. Wie der Kreml mitteilte, lud Putin seinen «alten Freund» anlässlich von Schröders 74. Geburtstag zu sich nach Hause ein. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete unter Berufung auf den Pressedienst des Präsidenten, Putin habe am Morgen aus Medien erfahren, dass sich Schröder geschäftlich in der russischen Hauptstadt aufhalte. Daraufhin habe er ihn eingeladen.

Der Kreml veröffentlichte Aufnahmen, die einen festen Händedruck zwischen Putin und Schröder vor einem russischen Ofen zeigen sollen. Ob die Bilder authentisch sind, ist unklar. Schröder selbst hat sich zu dem angeblichen Treffen bislang nicht geäußert. Zuvor war der Altkanzler am Mittwoch in einer Filiale der russischen Supermarktkette Globus in Moskau gesehen worden, für die er nach eigenen Angaben arbeitet. Das Treffen mit Putin wäre demnach ein weiterer Programmpunkt seines Aufenthalts in Russland.

Putin und Schröder gelten seit dessen Kanzlerschaft von 1998 bis 2005 als persönlich eng verbunden. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurde Schröder Mitglied im Aufsichtsrat des staatlichen russischen Gaskonzerns Gazprom, der auch am Bau der Nord-Stream-Pipelines beteiligt war. Auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 distanzierte sich Schröder nicht von Putin und reiste seither mehrfach nach Russland. In Deutschland ist er wegen dieser Haltung politisch isoliert.

Das Treffen fällt in eine Phase intensiver diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Donnerstag, sein Land befinde sich «nicht in einer diplomatischen Sackgasse». Ein ukrainisches Verhandlungsteam will am Freitag und Samstag in den USA mit Unterhändlern von US-Präsident Donald Trump zusammentreffen, darunter Jared Kushner und Steve Witkoff. Die Gespräche sollen zwei Tage dauern, auch ein europäisches Team solle dazustoßen. Zuvor hatte Selenskyj erklärt, die USA planten neue trilaterale Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine bis Ende Oktober.

US-Außenminister Marco Rubio hatte bei einem Besuch in Lissabon dagegen gesagt, der Ukraine-Krieg scheine derzeit in einer Sackgasse zu stecken. In einem Interview mit der griechischen Zeitung Kathimerini äußerte er zudem, er sehe derzeit keine Aussichten auf eine Verhandlungslösung. Selenskyj widersprach dieser Einschätzung und forderte erneut, den Satelliten-Internetdienst Starlink über Russland für das ukrainische Militär freizuschalten. Sobald die Ukraine mit ihren Waffen den russischen Himmel dominiere, werde Putin sich an den Verhandlungstisch setzen, sagte er. Washington koste eine Freigabe von Starlink gar nichts.

Unterdessen setzt Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Ein russischer Angriff traf zwei Linienbusse in Kramatorsk, mindestens 33 Menschen wurden getötet, zahlreiche weitere verletzt. Auch die diplomatischen Spannungen nehmen zu: Südkorea zieht wegen eines Streits um die Übergabe zweier gefangener nordkoreanischer Soldaten seinen Botschafter aus Kiew ab. In der russischen Region Rjasan wurden zudem Drohnenangriffe auf ein großes Rechenzentrum des Technologiekonzerns Yandex gemeldet.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.