Der erste Herbststurm über Teilen Deutschlands hat am Freitag Menschen verletzt und den Bahnverkehr erheblich beeinträchtigt. Im Norden von Rheinland-Pfalz stürzte am Nachmittag in der Stadt Nastätten ein Gestell um, vermutlich von einer starken Windböe erfasst. Nach Angaben der Polizei wurden dabei zwei Festbesucher schwer verletzt. Einer von ihnen schwebt in Lebensgefahr und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. In ersten Berichten war noch von einem Baugerüst die Rede gewesen. Rettungskräfte waren vor Ort, die Einsatzstelle wurde abgesperrt. Nastätten liegt im Rhein-Lahn-Kreis nahe der Grenze zu Hessen, in dem betroffenen Bereich fand ein Volksfest statt.

Erste Auswirkungen des Sturms waren bereits am Nachmittag auch in Baden-Württemberg zu spüren. In der Nähe von Pforzheim wurde eine Regionalbahn mit Hunderten Fahrgästen an Bord von einem Ast an der Windschutzscheibe getroffen. Der Zug hielt auf der Strecke an, verletzt wurde niemand. In Karlsruhe musste der Bahnverkehr am Hauptbahnhof am Abend zeitweise komplett eingestellt werden, weil ein Gegenstand am Bahnsteig 2 in die Oberleitung geflogen war. Reisende berichteten von einem massiven Funkenschlag. Die Oberleitung wurde zur Sicherheit abgeschaltet und von Experten überprüft, anschließend wurden alle Gleise wieder freigegeben.

Auch in Nordrhein-Westfalen wirkte sich das Herbstwetter auf den Schienenverkehr aus. Auf der Strecke zwischen Stolberg und Aachen Rothe Erde kam es zu einem Oberleitungsschaden als Folge des Sturms, die Strecke wurde in beide Richtungen gesperrt. Zwischen Neuss Hauptbahnhof und Meerbusch-Osterath waren die Gleise wegen eines umgestürzten Baums nicht befahrbar. Eine weitere Einschränkung zwischen Duisburg-Ruhrort und Oberhausen, ebenfalls durch einen umgestürzten Baum verursacht, war laut Bahnsprecher bereits beseitigt. Der größte Freizeitpark Deutschlands zog Konsequenzen: Wegen des Sturms fuhr der Europa-Park in Rust seinen Betrieb vorübergehend zurück und schloss die großen Achterbahnen im Außenbereich. Sobald es die Wetterbedingungen zulassen, soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Im Saarland rückten Polizei und Rettungskräfte wegen des Sturms zu zahlreichen Einsätzen aus. Die Polizei in Saarbrücken zählte seit Mittag bis zum Abend landesweit 59 Einsätze. Bei 44 davon ging es um auf Straßen gestürzte Äste oder Bäume sowie um auf Fahrbahnen gewehte Bauzäune. In Lebach wurde ein Fußgänger von einem Werbeschild getroffen und leicht verletzt.

Deutschland steht ein stürmisches Wochenende bevor. Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes können Sturmböen im Westen bis zu 90 Kilometer pro Stunde erreichen, in exponierten Lagen kann der Wind orkanartig werden. Für den Brocken im Harz wurde eine Unwetterwarnung herausgegeben. Die Nacht auf Samstag werde vor allem im Norden und der Mitte windig bis stürmisch, sagte DWD-Meteorologe Thore Hansen. Tagsüber schwächt sich der Wind am Samstag ab, um später wieder zuzunehmen. Besonders stark wird der Sturm an der Nordsee erwartet, wo am Sonntag Böen bis zu 100 Kilometer pro Stunde möglich sind. Für Reisende könnte das Probleme bei der Abreise von manchen Ostfriesischen Inseln bereiten, da an diesem Wochenende die Herbstferien in Niedersachsen enden. Einige Reedereien kündigten bereits mögliche Einschränkungen oder Ausfälle im Fährverkehr an.

Auch in Nordrhein-Westfalen wird es stürmisch. Die Städte Köln und Aachen halten die Menschen an, Waldgebiete, Parkanlagen, Friedhöfe und Alleen zu meiden. In Dortmund schließen der Zoo und der Westfalenpark wegen der Wetterlage früher als üblich. Der DWD empfiehlt, am Freitag und in der Nacht auf Samstag frei stehende Objekte zu sichern, darunter Möbel, Zelte und Abdeckungen zu befestigen. Bahnreisende müssen weiterhin mit Geduld rechnen.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.