In Marbach am Neckar ist die erste sogenannte Expressbrücke Baden-Württembergs fertiggestellt worden. Die marode Straßenbrücke über den Fluss Murr wurde abgerissen und innerhalb von nur rund 75 Tagen durch einen Neubau ersetzt. Die reine Bauzeit von der Vollsperrung bis zur Eröffnung habe damit deutlich unter den üblichen zwei Jahren gelegen, teilten die Behörden mit.

Möglich wurde das schnelle Tempo durch den Einsatz von Fertigbauteilen. Bei dieser Bauweise werden die einzelnen Elemente im Werk vorgefertigt und vor Ort nur noch montiert. Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) bezeichnete das Projekt bei der Einweihung am Freitag als Modell für weitere Sanierungen im Land. «Wir müssen die Erfahrungen daraus nutzen, um auch die vielen weiteren Brücken, die in den kommenden Jahren erneuert werden müssen, zügig und effizient zu ersetzen», erklärte Razavi.

Die neue Querung über die Murr hat eine Länge von 49 Metern. Der Verkehr soll ab Sonntag über die Brücke rollen. Die Vorgängerbrücke stammte aus dem Jahr 1956 und wies altersbedingte Mängel auf. Sie enthielt anfälligen Spannstahl, der als problematisch für die Standsicherheit gilt.

Bereits im Vorjahr hatte das Stuttgarter Verkehrsministerium mitgeteilt, dass landesweit rund 90 Brücken im Südwesten wegen des anfälligen Spannstahls ersetzt werden müssen. Hintergrund der Überprüfungen war der Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden im Jahr 2024. Untersuchungen hatten Korrosion als Ursache für den Einsturz festgestellt.

Während Baden-Württemberg mit der Fertigteilbauweise neue Wege geht, gerät der Bund bei der Brückensanierung unter Druck. Laut einem Bericht des Magazins «Der Spiegel» fiel die Zahl der fertig renovierten Brücken in Deutschland im vergangenen Jahr auf 157. Im Jahr 2024 wurden noch 212 Brücken saniert. Die Ampel-Regierung wollte unter Verkehrsminister Volker Wissing ursprünglich sogar jährlich 400 Brücken sanieren.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) steht wegen der rückläufigen Sanierungszahlen in der Kritik. Die Diskrepanz zwischen den ambitionierten Zielen und der tatsächlichen Umsetzung dürfte auch in den kommenden Monaten für Diskussionen sorgen. In Marbach hingegen zeigt sich, dass sich Bauzeiten mit der richtigen Methode erheblich verkürzen lassen.

Die Erfahrungen aus dem Modellprojekt sollen nun in die Planung weiterer Brückenersatzbauten im Land einfließen. Angesichts von rund 90 Brücken, die allein in Baden-Württemberg wegen des anfälligen Spannstahls ausgetauscht werden müssen, könnte die Fertigteilbauweise zu einer wichtigen Option werden, um die Sanierung schneller voranzutreiben und Verkehrsbeeinträchtigungen zu reduzieren.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.