Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat eindringlich zu einem besseren Schutz von Minderjährigen aufgerufen. Anlass ist ihr erster Bericht zum Ausmaß sexualisierter Gewalt sowie zum Stand von Prävention, Hilfe und Aufarbeitung, den sie in Berlin vorstellte. «Noch nie war das Risiko für Kinder und Jugendliche, sexualisierte Gewalt zu erleben, so hoch wie heute», sagte Claus. «Die Risiken im digitalen Raum explodieren.»
Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen sei ungebrochen hoch, heißt es in dem Bericht. Verwiesen wird auf bereits veröffentlichte Daten der Kriminalstatistik. Demnach registrierte die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs. Das sind rund 1.600 mehr als noch vor fünf Jahren und 772 mehr als im Vorjahr. Claus betonte, seit ihrem Amtsantritt habe sich viel getan, doch besserer Schutz sei machbar.
Einen Schwerpunkt legt der Bericht auf den digitalen Raum und den Einfluss Künstlicher Intelligenz. Die digitale Welt verändere die Zugangsmöglichkeiten für Täter grundlegend. Kommunikations- und Interaktionsorte im Netz seien zu «zentralen Tatorten sexualisierter Gewalt» geworden. Als Beispiel nennt der Bericht die Gefahr, dass harmlose Profilfotos mit KI in Nacktbilder umgewandelt werden. Solche manipulierten Bilder erleichterten sexuelle Erpressung, auch als Sextorsion bekannt.
Aus den Befunden leitet die Missbrauchsbeauftragte konkrete Forderungen ab. Sie spricht sich für die Einführung eines Schulfachs «Digitale Welt/Digitalität» aus. Dieses solle Kindern und Jugendlichen digitale Kompetenzen vermitteln und den Umgang mit Risiken im Netz einschließen. Zudem müssten Missbrauchsdarstellungen im Internet aktiv gesucht und proaktiv gelöscht werden. «So lange sie dort kursieren, endet der Missbrauch nicht», sagte Claus. Darüber hinaus verlangt sie Schutzkonzepte für Kinder in allen Schulen, Kitas und Freizeitangeboten, die auch Formen digitalisierter Gewalt abdecken.
Der Bericht ist eine Bestandsaufnahme, mit der sich nun auch Bundesregierung und Bundestag befassen müssen. Er benennt Fortschritte im Kampf gegen sexuelle Gewalt, aber auch bestehende Schutzlücken. Claus machte deutlich, dass die Gefahren für Kinder und Jugendliche weiterhin hoch sind und der Handlungsbedarf nicht nachlässt.
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